Author Topic: Analyse "Wikileaks und Videokrieg"  (Read 1864 times)

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Analyse "Wikileaks und Videokrieg"
« on: August 15, 2012, 16:36:17 PM »
http://www.juraforum.de/wissenschaft/facetten-imperialer-herrschaft-mittelweg-36-4-2012-ist-erschienen-408903

Facetten imperialer Herrschaft. "Mittelweg" 36, 4/2012 ist erschienen

Nicht nur Bilder, auch bewegte Bilder sind zu Quellen der Zeitgeschichte geworden. Was die Bildwissenschaft zu deren Verständnis beisteuern kann, zeigt Gerrit Walczak in seiner Analyse "Wikileaks und Videokrieg". Der Beitrag zum sogenannten Collateral-Murder-Video, das Wikileaks ins Netz stellte, um den Tod unbeteiligter Zivilisten zu dokumentieren, den US-amerikanische Streitkräfte billigend in Kauf genommen haben, eröffnet die Ausgabe 4/2012 des Mittelweg 36. Ihm schließt sich Bernd Greiners historische Perspektivierung der Strategien und Taktiken an, mit denen das Militär der Vereinigten Staaten von Vietnam bis Afghanistan meinte, Aufstände erfolgreich bekämpfen zu können. Die unter dem Titel "Es geht um die Wahrnehmung, Dummkopf!" präsentierte Bilanz, die herausstellt, wie zentral das impression management für die Militärpolitik ist, fällt mehr als ernüchternd aus.


http://www.his-online.de/zeitschrift/mw36-archiv/1225/42012/?sms_his_publikationen[backPID]=32&cHash=fd5a98b5330631c21818620fa39d7005%20Mittelweg36,%20Heft%204/2012

   
Gerrit Walczak
WikiLeaks und Videokrieg. Warum wir noch immer nicht wissen, was wir im »Collateral Murder«-Video sahen

[Abstract]
Die Gebrauchsanweisung für den analogen Videorekorder schließt mit dem Hinweis, das Zurückspulen der Kassette wurde bis zu drei Minuten in Anspruch nehmen. Am 12. Juli 2007 im Hi-8-Format aufgezeichnet, setzt der Film mit der Sicht auf ein Wohnviertel Bagdads im fünften Jahr der Besatzung ein, gesehen durch die elektronische Zieloptik eines amerikanischen Kampfhubschraubers AH-64D Apache mit dem Rufzeichen »Crazyhorse 18«. Die Aufnahmen zeigen, wie Männer durch das Feuer einer 30 mm-Maschinenkanone aus der Luft getötet werden. Sie zeigen, wie weitere Salven in einem Kleinbus einschlagen, aus dem Retter dem einzigen Überlebenden zu Hilfe kommen. Sie zeigen schließlich, wie nacheinander drei Hellfire-Flugkörper in einem Gebäude explodieren, und sie bestätigen den seit jeher an Gewissheit grenzenden Verdacht, der von den Militärs seit zwei Jahrzehnten simulierte »Videokrieg ohne Opfer« hätte zu keiner Zeit die Wirklichkeit abgebildet. Abstrakt bleibt einzig, was die Soldaten sahen, die nach den Attacken die Szenerie betraten: »I have never seen anybody being shot by a 30-millimeter round before. It didn’t seem real, in the sense that it didn’t look like human beings. They were destroyed.« (…)